SOS
Mensch und Meer...

SAR (= Search and Rescue) "Glogner"
In der Elbmündung kollidieren im dichten Schneesturm zwei Containerschiffe. Nordöstlich von Rügen kentert im Orkan eine Fähre in der aufgewühlten Ostsee. Flensburger Förde: Ein Passagier auf einem Fahrgastschiff erleidet einen Herzinfarkt. Vor der Weser treibt ein Fischkutter manövrierunfähig auf die gefährlichen Untiefen der Nordergründe zu. Höhe Fehmarn meldet die Crew einer Segelyacht Ruderschaden; das Schiff kann nicht mehr gesteuert werden. Ein Surfer vor Sylt kommt aus eigener Kraft nicht mehr an Land. Ein Motorboot schlägt im Stettiner Haff leck und sinkt. Wattwanderer verlieren im plötzlich aufkommenden Seenebel vor der nordfriesischen Küste die Orientierung. Alarm für die Seenotretter am zweiten Weihnachtstag: In der Mecklenburger Bucht brennt ein Küstenmotorschiff.
Hinter derartigen Fällen, die sich so oder ähnlich Jahr für Jahr auf See zutragen, verbirgt sich nicht selten unermessliches menschliches Leid. Wann immer in unseren Gebieten von Nord- und Ostsee Menschen in Gefahr sind, kommt die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger - kurz: DGzRS - zum Einsatz. Die DGzRS mit Sitz ihrer Zentrale in Bremen ist zuständig für den Such- und Rettungsdienst (SAR = Search and Rescue) im Seenotfall. Die Gesellschaft führt diesen SAR-Dienst unabhängig, eigenverantwortlich und auf privater Basis durch. Sie kann auf eine lange bewegte - und bewegende - Geschichte zurückblicken.
November 1854: Vor Spiekeroog strandet im schweren Herbststurm das Auswandererschiff „Johanne“. 84 Menschen ertrinken in der tosenden See. Sechs Jahre später, im September 1860: Die Brigg „Alliance“ läuft auf das gefürchtete Borkum-Riff und sinkt. Von der Besatzung des Seglers bleibt niemand am Leben. Nach Schätzungen geraten damals jährlich mehr als 50 Schiffe allein vor den Inseln der deutschen Nordsee in Seenot. Mangelnde Organisation und Ausrüstung und das noch ausgeübte Strandrecht verhindern zu jener Zeit in vielen Fällen Rettungsmaßnahmen für Schiffbrüchige.

Rettungskreuzer "Hermann Rudolf Meyer"
Von derartigen Katastrophen bewegt, fordern der Navigationslehrer Adolph Bermpohl und der Advokat C. Kuhlmay aus Vegesack in einem Appell an die Bevölkerung erstmals die Gründung eines Seenotrettungswerks in Deutschland.
Sie finden Mitstreiter in dem Bremer Redakteur Dr. Arwed Emminghaus und dem Emder Oberzollinspektor Georg Breusing. Jener gehört auch zu dem Kreis, der am 2. März 1861 den ersten „Verein zur Rettung Schiffbrüchiger in Ostfriesland“ gründet.
Es folgen vergleichbare Aktivitäten von Hamburg und Bremen aus sowie an der Ostsee-Küste. Vier Jahre darauf sind die Verfechter und Wegbereiter eines einheitlichen deutschen Seenotrettungswerks am Ziel: Am 29. Mai 1865 wird in Kiel die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ins Leben gerufen.
Zur Erfüllung ihrer vielfältigen Aufgaben verfügt die Gesellschaft heute über eine Rettungsflotte von 61 modernen, leistungsstarken Seenotkreuzern und Seenotrettungsbooten auf 54 Stationen zwischen der Emsmündung im Westen und der Pommerschen Bucht im Osten. Die 185 fest angestellten und rund 800 freiwilligen Rettungsmänner und -frauen sind bei jedem Wetter, an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr zum Einsatz bereit. Alle SAR-Maßnahmen werden von der SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS (MRCC BREMEN = Maritime Rescue Co-Ordination Centre) zentral koordiniert und überwacht.
Allein 2005 haben die Seenotretter 1 733 Einsatzfahrten durchgeführt und dabei 127 Menschen aus Seenot sowie weitere 647 Personen aus kritischer Gefahr befreit. Seit Gründung des Rettungswerks verdanken 72 886 Schiffbrüchige ihr Leben dem schnellen und selbstlosen Eingreifen der Seenotretter. Allerdings: 45 Rettungsmänner sind in dieser Zeit im Einsatz auf See geblieben.
Rettungskreuzer "Steffens"
Die Arbeit des deutschen Seenotrettungsdienstes wird nur durch freiwillige Mitgliedsbeiträge und Spenden aus allen Teilen des Landes finanziert. Die DGzRS, deren Schirmherr der Bundespräsident ist, beansprucht zur Erfüllung ihrer Aufgaben keine Steuergelder. Als „Zeichen für Vertrauen“ wurde ihr vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin das Spenden-Siegel verliehen.
Für weitere Fragen:
DGzRS-Zentrale
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