1667 - 1745

Jonathan Swift

 

 

Swift wurde sieben Monate nach dem Tod seines Vaters in Dublin geboren. Die Familie stammte aus England, und die Mutter kehrte sofort nach der Geburt des Sohnes dorthin zurück. Swift wurde einer Amme übergeben, bei der er die ersten drei Jahre seines Lebens verbrachte. Später kam er in die Obhut eines in Dublin lebenden Onkels, besuchte dort die Schule und anschließend die Universität. Er war ein zorniger junger Mann, stolz und einsam und ständig im Streit mit seinem Onkel, seinen Lehrern und den staatlichen Autoritäten. Nur mit Mühe schaffte er es, 1686 einen Universitätsabschluß als "Bachelor of Arts" zu erhalten.

Er blieb weiter an der Universität, bis sie wegen politischer Unruhen geschlossen wurde, und ging dann, der Onkel war inzwischen verstorben, zu seiner Mutter nach England. Von den Verwandten war er zwar unterstützt, aber meist als "armer Schlucker" behandelt worden, was nur noch zu seinem Stolz beitrug und den Grundstein für seine spätere Misanthropie legte. Auch mit der Mutter kam er nicht zurecht, aber sie beschaffte ihm eine Stelle als Sekretär. Er setzte sein Studium fort und empfing 1695 die Priesterweihe, arbeitete aber dann doch weiter in seiner Sekretärstellung bei Sir William Temple, bis dieser 1699 starb.

Die nächsten zehn Jahre von Swifts Leben wurden bestimmt von politischem Engagement, zunächst bei den fortschrittlichen "Whigs", dann auf der Seite der konservativen "Tories", deren Politik Swifts persönlicher Weltanschauung in vielen näher stand. Seine ersten satirischen Schriften machten ihn als scharfsinnigen Spötter bekannt und angesehen. Mit seinen konservativen politischen Absichten verband sich ein ausgesprochener Gerechtigkeitssinn, der ihn, als er später nach Irland zurückkehrte, zu einem bitteren Ankläger der englischen Ausbeutungspolitik gegen Irland werden ließ, obwohl er sich selbst immer als Engländer und als Diener der anglikanischen Kirche fühlte.

Als er 1713 zum "Dekan von St. Patrick" ernannt wurde, ging er nur ungern nach Dublin, um diese Stellung dort zu übernehmen. Doch nach seinen heftigen Angriffen gegen die englische Ausbeutung wurde er für Irland zu einer Art Volksheld und blieb dort bis auf wenige Unterbrechungen bis zu seinem Lebendsende.

Ab etwa 1720 arbeitete er an Gullivers Reisen, in die seine bitteren politischen und menschlichen Erfahrungen, seine Zweifel an die Segnungen des wissenschaftlichen Fortschritts, aber auch sein scharfer Witz und seine Fabulierkunst einflossen. Er lebte inzwischen zurückgezogen in Dublin. Eine Reihe von Beziehungen zu Frauen, die in seinem Leben eine wichtige Rolle spielten, waren bereits gescheitert; eine Lebensgefährtin hatte er nie gefunden.

1728 starb die von ihm verehrte Esther Johnson; Swift wurde immer verbitterter und abweisender. 1731 verfaßte er bereits die Verse auf den eigenen Tod, 1742 wurde er für geisteskrank erklärt, drei Jahre später starb er in geistiger Umnachtung.

Gullivers Reisen wurde trotz seiner deutlichen Menschenverachtung zu einem der größten Klassiker der englischen Literatur und zu einem der meistgelesenen Bücher der Welt. Daß es in bereinigten und verkürzten Fassungen ausgerechnet auch zu einem Kinderbuch-Klassiker wurde, dürfte allerdings kaum den Absichten des Autors entsprochen haben.

Quelle: "Das große Buch der Fantasy", erschienen im Bastei-Lübbe Verlag, Hrgb.: Michael Görden, mit freundlicher Genehmigung