Terra Fantasy 16

Angriff der Schatten

  • Originaltitel: WARLOCK OF THE WITCHWORLD

  • Autor: Andre Norton

  • Aus dem Amerikanischen von Susi-Maria Roediger

  • Titelbild: ?

 Duell der Hexenmeister

Sie sind die Kinder eines Erdenmanns und einer Frau aus dem Alten Volk:

Kyllan, der Krieger,

Kemoc, der Denker,

und Kaththea, die Hexe.

Sie brachen den Bann des Vergessens, der seit langer Zeit über Escore lag. dem mystischen Land im Osten. Das Grüne Tal wurde ihre neue Heimat. Doch damit weckten sie die Macht der Schatten.

Der Kampf zwischen den Kräften des Lichts und den Kreaturen der Dunkelheit entbrennt - es ist das Duell der Hexenmeister.

Vorwort Eduard Lukschadl:

Hiermit liegt Ihnen der vierte Band des Zyklus AUS DER HEXENWELT von Andre Norton vor. Bereits beim Lesen des vorigen Bandes werden Sie bemerkt haben, daß die Autorin nicht denselben Helden in den Mittelpunkt des Geschehens gestellt hat wie in den ersten beiden Bänden, nämlich Simon Tregarth, den Menschen aus unserer Zeit, der zu Beginn der Serie auf magische Weise auf die Hexenwelt gelangt ist.

Und nicht nur der Protagonist entstammte einer technisch-naturwissenschaftlichen Zivilisation, sondern auch der Antagonist, das Volk der Kolder, das mittels eines Dimensionstors auf die Hexenwelt gelangt ist. Es war also nur der Kampfschauplatz, der die magisch-mystischen Elemente der Handlung lieferte. Und folgerichtig wurde der Konflikt sowohl mit den Waffen der Technik wie auch mit denen der Magie ausgetragen.

Zwischen dem zweiten und dem dritten Band sind Jahre vergangen. Der Verbindung Simon Tragarths mit der Hexe Jaelithe sind Drillinge entsprungen: Kyllan, der Krieger, Kemoc, der Denker, und Kaththea, die Hexe.

Und nun bediente sich Andre Norton eines geschickten literarischen Kniffes: Sie ließ die Eltern der Kinder - vorrübergehend, wie wir sehen werden - vom Schauplatz der Handlung verschwinden und stellte im dritten Band Kyllan als Ich-Person ins Zentrum des Geschehens, im vorliegenden ist es Kemoc, und im nächsten wird es Kaththea sein.

Mit Hilfe dieses Kniffes gelingt es der Autorin wie sonst auf kaum erreichbarer Weise, das Verhältnis der Drillinge zueinander und anderer gegenüber zu beschreiben. So sehr sie nämlich eins sein können - wozu sie ihre telepathische Gabe befähigt -, sind sie dennoch Individuen mit dem Bedürfnis nach Gemeinschaft und Liebe, das über das rein geschwisterliche hinausgeht. Und Andre Norton schildert meisterhaft und voll Einfühlungsvermögen die sich daraus ergebenden Spannungen zwischen den dreien, die stärkere Bande miteinander verbinden als familiär übliche.

Abgesehen davon ist festzustellen, daß der Hexenwelt-Zyklus einer besonderen Art von Serie zuzuordnen ist: Nicht ein einzelner Held (wie etwa BRAK, der Barbar) oder eine kleine Gruppe ist das Bindeglied zwischen den Romanen, nicht ein ganzes Volk unter einem oder mehreren Herrschern, sondern eine ganze durch die Geographie und die magischen Gesetze gegebene Welt.

Der Rahmen ist also derart weit gespannt, daß dem Autor eine unerschöpfliche Fülle von Möglichkeiten gegeben ist. Nach nur vier Bänden ahnt man natürlich bei weitem nicht, was Andre Norton alles daraus machen kann, doch weisen bereits die Bände drei und vier einige bedeutende Unterschiede zu den beiden ersten auf: Abgesehen davon, daß dazwischen ein Zeitraum von über zwanzig Jahren liegt, sind die Antagonisten andere - eine Zeitlang sogar die Hexen selbst! -, der Schauplatz wechselt bald in die Nachbarländer im Osten von Estcarp, und vor allem fällt das Fehlen jeglicher SF-Elemente auf. (Das wird dem Puristen sicherlich erfreuen, wenngleich gesagt werden muß, daß Andre Norton die Synthese zwischen Science-Fiction und Fantasy in den ersten beiden Bänden gut gelungen ist.)

Der Feind war zuerst der Rat der Hexen, der Kaththea entführte und sie der Ausbildung der Hexen unterwarf. Erst nachdem Estcarp von Norden und Süden zugleich angegriffen wurde und die Hexen alle ihre Kräfte für die Feinde aus Alizon und Karsten benötigten, gelang Kyllan und Kemoc die Befreiung ihrer Schwester aus der Stätte der Weisheit und die Flucht über die Bergkette im Osten in ein Land, dessen Existenz aus der Erinnerung aller Bewohner von Estcarp bereits vor Generationen gelöscht worden war. Escore heißt es, und von dort her waren die Hexen, Angehörige der Alten Rasse, vor vielen Jahren eingewandert und hatten diese Gedankensperre errichtet. Den Drillingen gelang die Durchbrechung der Sperre nur deswegen, weil ihr Vater von der Erde stammte und sie daher nur zur Hälfte der Alten Rasse angehörten.

Mit dem Eindringen in Escore gibt es für den Rest des dritten Bandes keinen unmittelbaren Antagonisten mehr, sondern der Roman, und zum Teil auch der vorliegende, ist zum Typus des Entdeckungs-Romans zuzuordnen, bei dem die Handlung nicht aus einem längeren Konflikt zwischen zwei Personen oder Gruppen besteht, der am Ende gelöst wird, sondern darin, daß der "Held" - eventuell mit einer kleinen Gruppe von Begleitern - in einem möglichst fremdartigen und exotischen Land umherzieht und dort auf seltsame Pflanzen und Tiere stößt oder mit Völkern mit eigenartigen Gebräuchen konfrontiert wird.

Und Andre Nortons Tiere und menschliche und halbmenschliche Völker sind wahrhaftig exotisch zu nennen! Ihre Phantasie sprüht förmlich über: Da ist Dahaun, die Lady des Grünen Schweigens, da gibt es intelligente antilopenartige Reittiere, Wolfsmänner, Wassermenschen, Geschöpfe, die unter der Erdoberfläche leben, und viele. viele mehr.

Die Drillinge wissen nicht, daß sich das Kräfteverhältnis zwischen dem Guten und dem Bösen in Escore in einem äußerst labilen Gleichgewicht befindet, nachdem vor vielen Generationen ein Krieg zu Ende gegangen war, in dem das Böse gesiegt und das Gute in den Untergrund und in abgeschiedene Orte vertrieben hatte. Seit vielen Jahren schläft das Böse jedoch, und das Gute wagt sich wieder aus den Schlupfwinkeln hervor und besetzt das halbe Land - jedoch so behutsam, daß das Böse nicht geweckt wird.

Natürlich haben die Drillinge Gefahren zu bestehen, für deren Überwindung Kaththea zu ihren magischen Fähigkeiten greift, nicht wissend, daß sie damit das Böse weckt. Beide Seiten rüsten sich zum entscheidenden Kampf, und Kyllan holt Auswanderer aus Estcarp zu Hilfe, nachdem nicht alle der halbmenschlichen Völker Partei ergreifen wollen.

Führer einer Gruppe von Abkömmlingen der Alten Rasse ist Dinzil, der sich für Kaththea interessiert, und der von Kemoc gehaßt wird ...

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